Vorgeschichte von Frauenstein

Die Vorgeschichte Frauensteins ist eng mit der Besiedlung des Erzgebirges verknüpft. Das Erzgebirge war bis in das 12. Jahrhundert von einem undurchdringlichen Urwald bedeckt, Miriquidi genannt. Dieser nur von wenigen Passstraßen durchquerte und von Wölfen und Bären bevölkerte Mischwald trennte die slawischen Siedlungsgebiete nördlich des Erzgebirges von denjenigen im späteren Böhmen. Eine Besiedlung kann bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts nicht nachgewiesen werden. Erst zu diesem Zeitpunkt wurden durch Zuzug deutscher Siedler die Wälder im Gebirgsvorland gerodet. Dabei wurden 1168 in Christiansdorf (heute Freiberg) Silbererzvorkommen entdeckt, die zum "ersten Berggeschrey" führten, in dessen Folge das Erzgebirge relativ schnell von Süden und Norden her bis in die Kammlagen besiedelt wurde. Auch auf den Fluren der zur späteren Burg Frauenstein gehörenden Dörfer wurde Silberbergbau betrieben. Die zu dieser Zeit angelegte Verbindungsstraße zwischen dem Raum Freiberg bzw. Meißen und Böhmen führte über den späteren Frauensteiner Marktplatz. Einem um 1200 erfolgenden böhmischen Siedlungsvorstoß aus Richtung Brüx/Most und Osseg/Osek unter Führung des Geschlechtes der Riesenburger mit der Gründung der Herrschaften Sayda-Purschenstein und Rechenberg unmittelbar südwestlich Frauensteins setzten die Markgrafen von Meißen die Gründung der Burg Frauenstein entgegen. (AH)

Geschichte der Burg Frauenstein bis 1585

Im Jahre 1218 wird in einer Urkunde der Geistliche Heinrich von Frauenstein erwähnt. Ob es zu dieser Zeit schon einen Ort mit Kapelle im Kuttelbachtal unterhalb der Burg gab oder er seinen Dienst in einer ersten Burgkapelle tat, verliert sich im Dunkel der Geschichte. Eine erste Burganlage wurde sehr wahrscheinlich unter Markgraf Dietrich um 1200 errichtet. Auf sie gehen wohl Teile der Umfassungsmauern der Kernburg (1) und der Südturm (2) der Burg zurück. 1272 wird den so bezeichneten "tapferen" Rittern Johannes und Heinrich von Siden der Besitz der Burg von Landgraf Albrecht von Thüringen bestätigt. Johannes nannte sich "de Vrowensten". Bis 1329 blieb die der Grenz- und Straßensicherung dienende Burg im Besitz verschiedener Vasallen der Meißner Markgrafen.

1329 wurde die Burg an die Meißner Burggrafen aus dem Geschlecht der Meinheringer verpfändet und ging vier Jahre später in den vollständigen Besitz der Burggrafen über, wobei sich der Markgraf ein Öffnungsrecht (Wohn- und Nutzungsrecht bzw. Recht zur militärischen Nutzung im Kriegsfall) vorbehielt. Unter den Burggrafen wurde die Kernburg vermutlich erheblich ausgebaut. So entstanden wohl der Wohnturm Dicker Merten (3), der Palas (4) mit der Burgkapelle (5) und der östliche Zwinger (6). Der Zugang zum Zwinger führte über ein Torhaus (7). Am Zugang zum inneren Burghof wurde ein Wächterhaus (8) errichtet. Später wurden Teilbereiche des Zwingers von einem Gebäude (9) überbaut, welches in einer Zeichnung von 1720 nachgewiesen ist und wohl eher Wirtschafts oder Lagerräume aufwies.

Grundriß der Burg Frauenstein
Grundriß der Burg Frauenstein

Der Wohnturm (3) beherbergte wohl im 1. und 2. Obergeschoss die repräsentativsten Wohnräume der Burg. Wenn man die Burg vom Talgrund des Standorts der "Alten Stadt" betrachtet, spürt man noch heute die Symbolwirkung des einst mit Dach und 2.OG deutlich höheren Turmes. Der zwischen Südturm und Wohnturm gelegene Palas (4) wies wohl von Anfang an im Erdgeschoss Wirtschaftsräume (Küche) und in den beiden Obergeschossen weitere Wohnräume auf. Über dem Eingang zur Kernburg (10), den einst ein Wappen mit Frauenkopf zierte, befand sich in Traufhöhe ein Erker zur Verteidigung. Die Erschließung der Räume des Palas könnte über altanartige hölzerne Laubengänge ähnlich denen von Burg Altschönfels erfolgt sein. Ob es auch innere Treppenanlagen im Bereich der sogenannten "Eingangshalle" (11) oder des vor dem Wohnturm befindlichen Querbaues (12) gab, ist nicht abschließend geklärt. Angesichts der Nähe zum Küchenkamin (13) und der Existenz eines vermauerten Ausgusses dürfte die "Eingangshalle" aus unserer Sicht eher als weiterer Küchenraum anzusprechen sein; ihr wesentlich dünneres Mauerwerk ist zudem ein Hinweis auf eine spätere Entstehung dieses Bauteils. Ob der sichtbar später an den Wohnturm angesetzte turmartige Anbau (14) im Nordwesten der Kernburg wirklich ein erster Torbau zum inneren Burghof war, ist unsicher. Vielleicht wurde er auch nur zur Flankierung der ansonsten vor dem Bau der äußeren Ringmauer ungeschützten Westseite der Kernburg errichtet. Eine Schlüsselfunktion kam in jeder Höhenburg der Wasserversorgung zu. Einen Brunnen scheint die Burg Frauenstein nicht besessen zu haben, vielmehr diente die 23 m tiefe Zisterne (15) im inneren Burghof lediglich dem Sammeln von Niederschlagswasser. Trinkwasser wurde wohl täglich von mit Wasserschläuchen beladenen Eseln herangeführt (diese unzureichende Versorgung war im 16. Jh. einer der Gründe, die zur Aufgabe der Burg führten). Mit den Ausbauarbeiten unter den Burggrafen war eine stattliche Anlage entstanden, die den repräsentativen Ansprüchen des mittleren Adels vollauf genügte.

Seit 1381 bzw. 1406 wurde die Burg zur ständigen Residenz der Burggrafen. Mit dem Tod des noch jungen und kinderlosen Heinrich II. in der Schlacht von Aussig 1426 starben die Meinheringer aus.

Kaiser Sigismund belehnte daraufhin Heinrich IX. von Plauen mit der Burggrafschaft Meißen. Allerdings hatte sich Markgraf Friedrich der Streitbare schon vorher von der Burgbesatzung huldigen lassen. In der Folge kam es zwischen den Konfliktparteien zur Fehde, die in der sechswöchigen Belagerung der Burg mit "Heereskraft" im Sommer 1438 gipfelten. Bei dieser kam auch eine "Steinbüchse" zum Einsatz, die ca. 75 kg schwere Steinkugeln verschießen konnte. Der Rat der Stadt Dresden musste für diesen Einsatz 12-14 Pferde stellen. Die noch heute sichtbaren drei Steinkugeln im Südturm (2) sollen von dieser Belagerung stammen. Eine Eroberung der teilweise stark in Mitleidenschaft gezogenen Burg erfolgte wohl nicht, es kam vielmehr zu einem Vergleich, bei dem vermutlich auch Gefangene ausgetauscht wurden. Durch kaiserlichen Schiedsspruch durften die Plauener Vögte den Titel "Burggraf zu Meißen" weiter führen, mussten aber den Besitz in Meißen und Frauenstein dem inzwischen zum Kurfürsten erhobenen Markgrafen überlassen. Im September 1439 hielt der Markgraf von Meißen und Kurfürst zu Sachsen, Friedrich II. der Sanftmütige in Frauenstein Hof.

Ob der Bau der Ringmauer (17) mit ihren 7 Türmen und der Vorburg (18) (heutiges Schlossgelände) noch unter den Burggrafen oder erst nach dieser Belagerung erfolgte, bleibt bis heute unklar. Denkbar wäre der Ausbau einer schon vorhandenen Ringmauer mit den halbrunden Schalentürmen erst nach 1439. Insbesondere der 6. Ringmauertum (T6) scheint später vor die Ringmauer gesetzt worden zu sein. Die Vielzahl der Schießscharten für Feuerwaffen verweist zudem eher auf eine Errichtung Mitte des 15. Jahrhunderts. Baumaßnahmen an der Burg sind für die Jahre 1449/50 in Höhe von 1000 Gulden nachweisbar. Im östlichen Bereich des äußeren Burghofes standen zwischen dem 1. und 3. Turm einst Wirtschaftsgebäude (19), während das mehrgeschossige Gebäude (20) am ersten Turm Wohnzwecken diente und über mindestens einen Kamin verfügte. Unter Umständen war es Sitz des Burgvogtes. Bemerkenswert ist die direkte Anbindung der äußeren Ringmauer an die Kernburg am Südturm (2), über die Brücke (21) sowie im Norden über die Schlupfpforte (22) und den Felsrücken.

Das Aussehen der Vorburg ist leider kaum noch zu rekonstruieren, da das Gelände anlässlich des Schlossbaus ab 1585 komplett überformt wurde. In der ältesten, um 1550 entstandenen skizzenhaften Ansicht von Burg, Schloss und Stadt erscheint das Vorburgareal deutlich kleiner als die Kernburg. Bei einem prägnanten quergelagerten Bau könnte es sich um das alte Kornhaus handeln, das man sich wohl ähnlich demjenigen auf Burg Stolpen vorstellen darf. Es wurde im Zuge der Umgestaltung ebenso abgerissen wie Viehhäuser und Stallungen; auch der einstige Halsgraben vor der Schildmauer zur Kernburg verschwand.

Bis 1472 war die Burg im Besitz verschiedener Vasallen. 1473 gelangte sie an die Brüder Bernhard und Caspar von Schönberg auf Purschenstein. Ein erst zu späterer Zeit wahrscheinlicher Ausbau des Küchenbereiches (11) könnte zu dieser Zeit erfolgt sein. Auch andere sächsische Burgen erhielten zu dieser Zeit einen verbesserten Wohnkomfort (vgl. Kriebstein). Unter den Schönbergern fand auch die Umsiedlung der Stadt vom Tal auf den Berg mit dem regelmäßigen Marktplatz statt.

Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts war die Burg für eine schwere Belagerung allerdings nicht mehr adäquat ausgestattet. Dies wird besonders im Vergleich der Frauensteiner Ringmauer mit zeitgleich entstandenen Befestigungen der weiteren Umgebung deutlich, etwa den Geschützbatterien in Querfurt, Belzig oder Halle (Moritzburg). Die Grenze zu Böhmen war seit dem Vertrag von Eger zwischen dem Kurfürstentum Sachsen und dem Königreich Böhmen 1459 gesichert. So erfolgte keine Modernisierung der Burg mehr, die nun in erster Linie als feudaler Wohnsitz diente. (AH, TK)