03.11.2016

Das Moritzmonument und die Festung Dresden

Dresden, Moritzmonument der Brühlschen Terrasse

Dresden, Moritzmonument der Brühlschen Terrasse

Das Moritzmonument an der Spitze der Bastion Venus der Festung Dresden unterhalb der Brühlschen Terrasse gilt als eines der ältesten erhaltenen Monumente Dresdens. Noch früheren Datums sind zum einen die gotischen Stifterbüsten in der Busmannkapelle, welche auf die Parlerschule zurückgehen (heute Stadtmuseum Dresden), und zum anderen der um 1535 von Christoph Walther geschaffene Totentanz, der einst das Georgentor zierte und jetzt in der Dreikönigskirche in die Wand unterhalb der Orgelempore integriert ist. Das Moritzmonument stammt hingegen von Hans Walther aus der selben Bildhauerdynastie und wurde bis 1555 fertiggestellt. Es stellt die Übergabe des Kurschwertes von Moritz von Sachsen an seinen Bruder August dar. An den Seiten befinden sich die Frauen der Kurfürsten, Agnes von Hessen(li) und Anna von Dänemark (re). Seitlich und unterhalb des Denkmals befinden sich im 19. Jahrhundert erneuerte Schrifttafeln. Über dem Monument müssen sich, nach alten Zeichnungen zu urteilen, ehemals Kriegergestalten befunden haben. Ein reicher Sockel, wie er in einer Zeichnung überliefert ist, war aber wohl nie über den Entwurf hinausgekommen. Einst befand sich das Monument an der Spitze der Bastion am Hasenberg. Nach Abbruch der Festung 1811 wurde es seitlich versetzt und 1895 schließlich an den heutigen Standort umgesetzt. Im Jahre 2000 wurden wesentliche Teile kopiert und die Originale in den Kasematten der Festung aufgestellt (Museum Festung Dresden). Dresden, MoritzmonumentDresden, Moritzmonument, links Agnes von Hessen, Mittelteil mit Kurfürst Moritz und dem Tod mit Stundenglas im Hintergrund sowie Kurfürst August mit seiner Ehefrau Anna von Dänemark im rechten Teil, Foto A. Hummel 2016

In der eher unbedeutenden Schlacht von Sievershausen am 09.07.1553 wurde Kurfürst Moritz von hinten in den Unterleib getroffen und verstarb zwei Tage später im Feldlager. Ob die Verwundung wirklich tödlich war oder ob man nachgeholfen hatte ist ebenso unbekannt wie der Name des Schützen. Feinde hatte Moritz genug, sorgte der evangelische Reichsfürst doch mit seinem Waffengang an der Seite des katholischen Kaisers in der Schlacht bei Mühlberg 1547 gegen den evangelischen Fürstenbund unter Führung seines ernestinischen Vetters mit für den Sieg der katholischen Sache. Zur Belohnung erhielt Moritz - nun von einigen "Judas von Meißen" genannt - die sächsische Kurwürde mit dem Kurkreis um Wittenberg und Torgau aus den Händen des Kaisers. Wenige Jahre später schlug sich der firschgebackene Kurfürst jedoch auf die Seite der Protestanten, was zu einem entscheidenden Sieg der evangelischen Seite führte, der wiederum Voraussetzung für den Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurde. Dies brachte Moritz Ehre und Achtung von Vertretern beider Religionen ein. Sein Bruder August war sich zudem bewusst, dass er ohne das Handeln von Moritz, der mit nur 32 Jahren verstarb, nur ein eher unbedeutender Reichsfürst geblieben wäre, denn bis 1547 war der ernestinische Familienzweig der Wettiner in Torgau und Wittenberg mit der Kurwürde der bedeutendere Familienzweig. Nach 1547 besaßen die ernestinischen Wettiner dann nur noch Territorien in Thüringen und residierten vor allem in Gotha, Weimar, Eisenach und Coburg. Im Gegenzug begann der Aufstieg der Albertiner und ihrer Residenzstadt Dresden.Brühlsche Terrasse, Dresdner MoritzmonumentMoritzmonument an der Spitze der Bastion Venus, auf der sich der Brühlsche Garten befindet, Foto A. Hummel 2016

Noch vor dem Erhalt der Kurwürde begann Moritz mit dem Bau der Festung Dresden. Bis dahin bestand die Stadtbefestigung lediglich aus dem mittelalterlichen Mauerring, der von Herzog Georg dem Bärtigen, Moritz' Onkel, durch äußere Erdwälle, den sogenannten Rempart, zusätzlich verstärkt worden war. Die sog. Frauenvorstadt (Siedlungsgebiet in direkter Umgebung der Frauenkirche) war in diese Umwallung bereits einbezogen. Diese Art der Befestigung war zwar auf eine Artillerieverteidigung ausgelegt, aber um die Mitte des 16. Jahrhunderts dem Angriff von größeren Heeren nicht mehr gewachsen. Moritz sah sich im wesentlichen drei Bedrohungen ausgesetzt. Dies waren die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Protesteanten und Katholiken, der Zwist mit seinen ernestinischen Vettern und die nordwärts ziehenden türkischen Heere, die Mitteleuropa bedrohten. Im Jahre 1526 siegten die Türken in der Schlacht bei Mohács über die Ungarn, 1529 standen sie dann erstmals vor Wien. Nur modernste Befestigungen hatten in solchen Auseinandersetzungen eine Chance. Moritz verordnete der Stadt eine der stärksten Befestigungen nördlich der Alpen nach niederländischen und italienischen Vorbildern. Bis 1553 waren die Arbeiten vom Schloss ausgehend über das Wilsdruffer Tor und die Salomonisbastion bis zum Hasenberg im Osten vorangekommen. An dieser Stelle wurde 1555 das Moritzmonument auf Befehl seines Bruders August errichtet.Festung Dresden, Lage in der heutigen StadtFestung Dresden, Lage im heutigen Stadtbild (blau = Graben; orange = Bau bis 1555; rot = Erweiterung 1566 - 1591; weißer Punkt = Moritzmonument heute; roter Punkt = Moritzmonument bis 1811); Grafik Arte4D für Arstempano 2016

Unter Augusts Regierung wurde die Festung bis 1555 vorläufig vollendet. Allerdings war man mit den relativ kleinen Bastionen im Nordwesten und Nordosten noch nicht zufrieden. Diese brach man wenig später wieder ab bzw. integrierte sie in ausgreifende neue Bastionen, die 1579-76 im Bereich des Zwingers und des Theaterplatzes und 1589 bis 1591 im Bereich der Bastion Venus, dem heutigen Brühlschen Garten, entstanden. Diese Festung schützte Dresden in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges sehr zuverlässig. Die Artillerie zur Mitte des 18. Jahrhunderts war dann allerdings so schlagkräftig, dass es zwar gelang, die Festung Dresden gegen Friedrich den Großen im Jahre 1760 erfolgreich zu verteidigen. Allerdings schossen die Preußen die Stadt innerhalb der Festungsmauern sowie die Vorstädte ungehindert in Schutt und Asche. Die Festung sorgte somit dafür, dass der Feind sich zwar nicht festsetzen konnte, dies aber zum Preis der Zerstörung von großen Teilen der zivilen Bausubstanz. Folgerichtig beschloss man (ebenso wie im Falle andere Festungsstädte wie z.B. Berlin) bereits kurz nach der Katastrophe von 1760 für die sog. Entfestigung der Stadt, die aber erst 1809 begann und eineinhalb Jahrzehnte in Anspruch nehmen dauern sollte.Dresden, Brühlsch Terrasse vor 1894Dresden, Brühlsche Terrasse noch ohne Moritzmonument vor 1894, hist. Ansichtskarte / Archiv Arstempano

Die Entfestigung wurde leider mit einer solchen Gründlichkeit durchgeführt, dass alle zugehörigen Bauten bis auf die Elbseite (die heutige Brühlsche Terrasse) sowie die plastischen Denkmale bis auf das Moritzmonument verlorengingen. Der Wilsdruffer Torturm wäre heute eine Sehenswürdigkeit par excellence und mit einer Traufhöhe von über 23 Metern und einer Höhe von über 36 Metern bis zur Wetterfahne sowie Mauerstärken von bis zu 4 Metern durchaus imposant. Im Inneren des noch aus dem Mittelalter stammenden Baus schuf man im 18. Jahrhundert die Hochbehälter für die Wasserspiele des Zwingers. Die Brüstungen (Brustwehr) der gewaltigen Erdwerke auf den Bastionen erhoben sich bis zu 14 Meter über das Straßenpflaster und bis zu 22 Meter über den Wasserspiegel des Festungsgrabens. Die zwischenliegenden Kurtinen waren allerdings deutlich niedriger. Auf Altstädter Seite erinnern heute noch Zwingerwall und Graben sowie die Brühlsche Terrasse mit ihren Kasematten an die einstige Festung. Weiterhin stecken noch viele Relikte in der Erde, wie die Ausgrabungen jüngst am Postplatz zeigten. Ein gewisses Gefühl für die Festung erhält man noch auf dem Zwingerwall mit Blick zum Zwingerteich, dessen Wasserspiegel allerdings um einige Meter über dem des einstigen Festungsgrabens liegt (heute fehlt dem Wall zudem die etwa 2 Meter hohe Brustwehr).Festung Dresden von NordenFestung Dresden von Norden um 1648, hist. Ansichtskarte / Archiv Arstempano

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