10.10.2016

Der Neumarkt Dresden seit 1990

Ruine der Frauenkirche Dresden 1995

Ruine der Frauenkirche Dresden 1995

Vor 26 Jahren war der Neumarkt einer der unwirtlichsten "Unplätze" von Dresden. Die Bilder in der Galerie zu Neumarkt, Schloss, Frauenkirche und andere mehr zeigen dies eindrücklich. Das Gebiet war geprägt von Baracken und Parkplätzen. Einige nannten Dresden daher nicht mehr Barockstadt sondern "Barackstadt". Lediglich im Randbereich an Münzgasse und Töpferstraße entstand seit 1987 das Hotel Hilton (Link Panorama) mit seinem Funktionstrakt. Während dieser Komplex den Wandel im Städtebau aufzeigte, indem man sich wieder am historischen Stadtgrundriß orientierte, ignorierte der Anbau am Polizeipräsidium diesen noch konsequent. Er wurde schließlich 2005 abgebrochen, da ein Bürogebäude dieser Größenordnung keine Verwendung in der Innenstadt mehr fand. Zudem war es mit dem Wiederaufbau des Neumarktes auf historischem Grundriß nicht vereinbar.Frauenkirche Dresden 1995 und 2012Die Frauenkirche Dresden am Beginn des Wiederaufbaus 1995 und im Jahre 2012, Fotografie von A.Hummel

Ansonsten war der Platz noch von Ruinen und Halbruinen sowie den restaurierten Großbauten umstanden. Das Gebäude des ehem. "Sächsischen Kunstvereins", auch Lipsiusbau oder Kunstakademie genannt (siehe Bildgalerie Neumarkt & Umgebung 1991-95) mit der sogenannten Zitronenpresse war ebenso eine mehr oder weniger gesicherte Ruine, wie Kurländer Palais, Frauenkirche, Residenzschloss und Taschenbergpalais. Allerdings hatte sich seit Ende der Siebziger Jahre die Politik der DDR gewandelt. Die DDR nahm sich wieder der Innenstädte an, die "Platte" wurde entsprechend angepaßt. Der Wiederaufbau der Semperoper bis 1985 war schließlich ein internationales Prestigeobjekt der DDR. Im Anschluss wurde nach langer Planung der Wiederaufbau des Residenzschlosses begonnen, allerdings waren die Arbeiten bis 1989 kaum über den Westflügel hinaus gekommen. Die Baracken östlich der Schloßstraße dienten als Baustelleneinrichtung. Auch über den Aufbau des Neumarktes lagen Planungen vor. Der Gedanke der Leitbauten wurde von der Denkmalpflege bereits in der DDR geboren. Allerdings reichte die ökonomische Kraft für diese Planungen nicht ansatzweise aus.Kurländer Palais Dresden, Nähe NeumarktKurländer Palais in Dresden als Ruine vor dem Wiederaufbau im Jahre 2004/5 und nach dem Wiederaufbau im Jahre 2014, Fotografie von A. Hummel

Nach 1990 wurde der Aufbau des Schlosses forciert, das Taschenbergpalais (Link zum Panorama 2012) durch private Investoren wieder aufgebaut, die Ruine der Frauenkirche gesichert. Mit dem Ruf aus Dresden im Februar 1990 begann das Werben um den Wiederaufbau der Frauenkirche, welcher bereits im Jahr darauf beschlossen wurde. Bis Anfang der 2000der Jahre prägten nun die Regale mit den geborgenen Trümmerstücken sowie die Baustelleneinrichtung den Platz. Bis zum Jahre Jahre 2004 wurde die Frauenkirche im Äußeren fertiggestellt und nach Vollendung des inneren Ausbaus im Oktober 2005 geweiht. Während all dieser Jahre wurde durch den Freistaat Sachsen bis 2006 das Residenzschloss in seinem äußeren Bild wieder aufgebaut, die Kunsthochschule und Kunstakademie, auch Lipsiusbau genannt (Link Panorama 2012) restauriert bzw. rekonstruiert und das Albertinum saniert und ausgebaut.Residenzschloss Dresden, 1995 und 2012Residenzschloss Dresden, Südostturm im Jahre 1991 und im Jahre 2012, Fotografie Dr. Stefan Hertzig (li) und A.Hummel (re)

Erst mit der Freigabe der Flächen durch den Baufortschritt der Frauenkirche waren Voraussetzungen für den Wiederaufbau des Neumarktes geschaffen. Als erstes wurde 2003/4 die Tiefgarage unter dem Neumarkt geschaffen. Diese wurde von Investoren als unverzichtbar erklärt. Mehr als ein Wermutstropfen war die Opferung der Barbakane des Frauentores für diese Tiefgarage. In den folgenden Jahren entstanden dann mit dem Hotel de Saxe, dem Quartier an der Frauenkirche und dem Juwel an der Frauenkirche (Quartier III) die ersten Quartiere am Neumarkt. Vorher waren bereits das Kanzleihaus und das Coselpalais (Link Panorama 2012) bis 1999 bzw. 2000 in alter Form zu großen Teilen neu gebaut worden. Seither entstanden weitere Quartiere mit modernen aber auch rekonstruierten Fassaden. Ebenso konnte das Kurländer Palais bis 2008 durch einen privaten Investor wieder aufgebaut werden. Mittlerweile stehen bis auf das Hotel Stadt Rom für die unbebauten Flächen die Investoren fest und werden bis nächstes Jahr im Bau sein. Damit wird bis 2018/19 mit Ausnahme des Hotel Stadt Rom der Wiederaufbau des Neumarktes abgeschlossen sein.Neumarkt Dresden 2012, 2015, 2030Neumarkt Dresden 2012, 2015 und in Zukunft, Blick von Osten, Fotografien von A.Hummel, Visualisierungen Arte4D

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