31.10.2016

Der Wiederaufbau der Frauenkirche 1994-2005

Neumarkt und Frauenkirche Dresden

Neumarkt und Frauenkirche Dresden

Am 31.10.2005 wurde die neuerrichtete Frauenkirche geweiht. Der Wiederaufbau beanspruchte insgesamt 11 Jahre und begann offiziell am 27.05.1994. Der Außenbau war bereits über ein Jahr vor der Weihe mit der Aufsetzung der Laternenhaube mit dem Kreuz am 22.06.2004 vollendet. Im Vorfeld war der Trümmerberg seit 1993 archäologisch enttrümmert worden; dem waren wiederum Sicherungsarbeiten an der Ruine vorangegangen, auf die im Text noch näher eingegangen wird. Alle Formsteine wurden genau erfasst und in einem Hochregallager auf dem Neumarkt für den künftigen Wiederaufbau gelagert. Die wiederverwendungsfähigen Hintermauerungssteine wurden am Elbufer nahe der Albertbrücke aufbewahrt. Parallel erfolgte die Sicherung der noch aufrechtstehenden Ruinenteile, die sich noch heute im Mauerwerk durch ihre dunklere Patina markieren. Der "Ruf aus Dresden" vom Februar 1990, von namhaften Dresdner Bürgern formuliert (zu nennen ist an dieser Stelle vor allem der weltweit bekannte Trompetenvirtuose Ludwig Güttler), war der öffentlichkeitswirksame Beginn der Wiederaufbaubestrebungen. Bereits im Folgejahr stimmte die evangelische Landeskirche dem Wiederaufbau zu. Als Bauherr fungierte eine Stiftung aus der Evangelischen Landeskirche, dem Freistaat Sachsen und der Landeshauptstadt Dresden. Dresden, Ruine der FrauenkircheRuine der Frauenkirche in Dresden, Fotografie von Dr. Stfan Hertzig von 1991

Es gab jedoch nicht nur Befürworter des Wiederaufbaus. Für nicht wenige war es ein Sündenfall, das eindrückliche Mahnmal wider den Krieg, das die Ruine zweifelsohne darstellte, durch den Wiederaufbau zu beseitigen.Frauenkirchenruine während der SicherungRuine der Frauenkirche während der Sicherung 1993, Fotografie von Dr. Stefan Hertzig

Bei aller Berechtigung dieser Denkart gilt es allerdings auch daran zu erinnern, dass die Ruine ihre Wirkung in absehbarer Zeit verloren hätte: Zum einen wurde die Erscheinung des Mahnmals wesentlich durch die städtebauliche Wüste ringsum geprägt. Wo einst sich dichtbebaute Stadtquartiere erhoben hatten, befanden sich nun "Zufallsgrün" (ungestaltete Brachflächen) und Parkplätze bzw. völlig ungestaltete Areale wie der Jüdenhof. Dieses trostlose Umfeld steigerte den Eindruck der Ruine erheblich, wenn auch bereits ab Mitte der 1980er Jahre erste Schritte zu einer Wiedergewinnung des historischen Stadtgrundrisses gemacht wurden. Diese gingen allerdings nicht über das mit schwedischer Hilfe errichtete Hotel "Dresdner Hof" (heute Hilton) und seines Funktionsbaues auf der Ostseite der Münzgasse hinaus.Frauenkirche während der EntrümmerungFrauenkirche während der Enttrümmerung 1994; Fotografie von A. Hummel

Mit der geplanten Bebauung der Freiflächen (inkl. des von der Dresdner Denkmalflege erarbeiteten Leitbaukonzepts) wäre dem Mahnmal viel von seiner monumentalen Wirkung genommen worden. Allerdings war damit auch eine zweite, in der öffentlichen Diskussion oftmals zu kurz gekommene Konsequenz verbunden: Die näher heranrückende Bebauung hätte die Standsicherheit der Ruine gefährdet. Um diese langfristig zu gewährleisten, hätten die Trümmermassen ohnehin weitgehend beseitigt werden müssen. Studien zur Nutzung als Freiluftkirche brachten kein befriedrigendes Ergebnis und dürften neben dem Ziel der Reparatur des Stadtbildes und der Wiedergewinnung des barocken architektonischen Meisterwerks zur Entscheidung für den Wiederaufbau geführt haben.Frauenkirche, Wiederaufbau 2002Wiederaufbau der Frauenkirche Dresden, Stand im Jahre 2002, Fotografie von A. Hummel

Trotz der benötigten 11 Jahre ging der Wiederaufbau dank des enormen weltweiten Spendenaufkommens erheblich schneller voran als anfänglich gedacht. Über Spenden konnten letztlich deutlich mehr als 50% zur Finanzierung des Wiederaufbaus aufgebracht werden. Eine persönliche Anmerkung hierzu: Wie manch Dresdner besaß auch der Autor Mitte der 1990er Jahre eine der berühmten, mit einem originalen Trümmerstein versehenen Armbanduhren, die zur Finanzierung des Wiederaufbaus auf den Markt gebracht worden waren. In Florenz wechselte diese ihren Besitzer: Eine brasilianische Mitschülerin im Studio Fiorentino hatte vom Wiederaufbau der Frauenkirche gehört und kaufte die Uhr umgehend ab! Die Funktion der Frauenkirche als weltweites Symbol für die überwundene Teilung Deutschlands und Europas offenbart sich wie an zahllosen anderen Beispielen auch in diesem Fall!Frauenkirche, Wiederaufbau 2003Wiederaufbau der Frauenkirche, Stand 2003, Fotografie von A. Hummel

Für die Gestaltung des Neumarktes ist der Wiederaufbau der Frauenkirche die Voraussetzung gewesen. Ohne diesen hätte es niemals einen Wiederaufbau des Umfelds in der realisierten Form gegeben. Leitgedanke war in erster Linie die Schaffung einer angemessenen Umgebung für den Kuppelbau. Die Arbeiten konnten allerdings erst beginnen, als die Regallager für den Kirchbau durch den Baufortschritt überflüssig geworden waren. Nun konnten die archäologische Untersuchung des Neumarkts und wenige Jahre später die Errichtung der ersten Quartiere beginnen (ab 2003 das Hotel de Saxe, ab 2004 das Quartier an der Frauenkirche). Dass das seitdem energisch vorangetriebene Projekt schon heute – trotz aller Kritik im Detail – als gelungen betrachtet werden kann, zeigt die Abstimmung mit den Füßen. Der Neumarkt ist schon heute derjenige Dresdner Stadtplatz, auf dem sich mit Abstand die meisten Gäste aufhalten. Vom städtebaulichen Zusammenklang der Frauenkirche und ihres weitgehend neu geschaffenen Umfeldes des Neumarktes kann man sich auch aus der Ferne im Panoramarundgang auf Arstempano überzeugen.

Die Ruine der Frauenkirche kann in einer Galerie auf Arstempano studiert werden, eine Galerie zum Wiederaufbau ist in Planung.Frauenkirche, Kuppel 2003Blick zur Kuppel der Frauenkirche im Jahre 2004, Fotografie von A. Hummel

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