Die Jahre 1706 bis 1719 - der Zwinger

Dresden, Westseite des Zwingers

Der Werdegang Pöppelmanns von 1706 bis 1719 wird am Anfang vom Nordischen Krieg überschattet. Im Jahre 1706 verliert August der Starke gar seine Krone von Polen vorübergehend. Während des Krieges unterbleiben nennenswerte Bauvorhaben in Dresden. Nach der Niederlage der Schweden in Poltawa 1709 wendet sich das Blatt zugunsten Augusts des Starken. Im selben Jahr besucht der dänische König Frederik IV. Dresden. Pöppelmann dürfte am Entwurf der aus diesem Anlass errichteten Festarchitekturen, besonders des hölzernen Vorgängerbaus des Zwingers westlich des Residenzschlosses, beteiligt gewesen sein. 1710 wird Pöppelmann in Vorbereitung der Planungen zum Neubau des Schlosses und einer Orangerie auf dem Festungswall vom König auf eine Studienreise über Prag und Wien nach Rom und Neapel geschickt, um die neuesten Architekturströmungen kennenzulernen. Deren Einfluss auf die in der Folge entstehenden zahlreichen Entwürfe ist unübersehbar. 1711 beginnen die Arbeiten im Bereich des Zwingers mit den wallseitigen Bogengalerien, dem Nymphenbad und dem Französischen Pavillon. 1715 wird Pöppelmann auf eine zweite Studienreise nach Paris geschickt und kehr über Belgien und Holland nach Dresden zurück. Im gleichen Jahr beginnt der Bau des Wallpavillons.

Ebenfalls 1715/16 errichtet Pöppelmann für den Kabinettsminister Jakob Heinrich Graf von Flemmig das Holländische Palais mit seinem Garten am Elbufer der Neustadt, das Flemming bereits 1717 an August den Starken verkauft, der den Neubau umbauen und als Porzellanschloss einrichten ließ. Aus den Jahren nach 1710 stammen zudem zwei prachtvolle Wohnhausbauten: das spätere "Dinglingerhaus" am Jüdenhof sowie das Eckgebäude Rampische Straße 33.

Residenzschloss, AudienzzimmerNach dem Tode Johann Friedrich Karchers wird Pöppelmann 1718 zum Oberlandbaumeister befördert. Im gleichen Jahr gibt der König die Neubauplanungen für das Residenzschloss zugunsten des Wiederaufbaus des 1701 abgebrannten Gebäudes auf. Damit ist auch die Entscheidung für die spiegelbildliche Wiederholung der wallseitigen Zwingergalerien und -pavillons auf der Stadtseite verbunden. Grund für die Abkehr von den bisherigen Planungen ist die Vermählung des Kurprinzen Friedrich August mit der Kaisertochter Maria Josepha, die im September 1719 in Dresden gefeiert werden soll. Unter Hochdruck werden am Zwinger das Kronentor und die stadtseitigen Pavillons und Bogengalerien mit dem dahinter befindlichen Redoutensaal und dem Großen Opernhaus errichtet. Die Nordseite des Zwingerhofes wird durch eine hölzerne Tribüne geschlossen. Während bis 1728 noch weitere Arbeiten am Zwinger ausgeführt werden (u.a. die Wölbung die Bogengalerien), bleibt dieses Provisorium bis zur Errichtung der Gemäldegalerie Gottfried Sempers ab 1851 bestehen. Dennoch zählt der Zwinger mit seiner steingewordenen Festarchitektur und aufgrund der kongenialen Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Balthasar Permoser zu den bedeutendsten Zeugnissen der europäischen Barockarchitektur.

Auch die prachtvolle Einrichtung des Paradeappartements Augusts des Starken im Residenzschloss nach Entwürfen Pöppelmanns und Raymond Leplats wird bis zu den Hochzeitsfeierlichkeiten fertiggestellt. Ebenso ist Pöppelmann am Entwurf der zahlreichen weiteren Festarchitekturen in der Stadt beteiligt.

Neben all diesen Arbeiten ist Pöppelmann für die Errichtung und Pflege von Deichen und Brücken, Reparaturen von Gebäuden des Hofes und der Verwaltung zuständig, womit zahlreiche Dienstreisen verbunden sind. Selbst als 72-jähriger ist er 1734 noch mindestens 55 Tage im Jahr unterwegs. Erst ab 1722 wird er bei dieser Tätigkeit von Johann Christoph Knöffel unterstützt.
(AH, TK) 

weiterlesen

Historische Abbildung: Dresden, Residenzschloss, Audienzgemach der Paraderäume, Archiv Arstempano