Leben und Werk Pöppelmanns bis 1734 - das Spätwerk

Bergpalais der Pillnitzer Schlossanlage

Nach Abschluss der Hochzeitsfeierlichkeiten beginnen 1720 die Arbeiten am Lustschloss Pillnitz, wo nach Pöppelmanns Entwürfen die drei mittleren Pavillons von Bergpalais und Wasserpalais und die Freitreppe zur Elbe hin entstehen. Wenig später errichtet er noch die Weinbergkirche oberhalb des Schlosses. Von 1719-21 wird nach seinem Entwurf das Palais Vitzthum-Rutowski in der Dresdner Kreuzgasse erbaut. Außerhalb Dresdens entsteht 1721 nach Pöppelmanns Plänen das Leipziger Peterstor. 1722 beginnt der Oberlandbaumeister wiederum im Auftrag Augusts des Starken die Planungen zum Umbau des Jagdschlosses Moritzburg, der 1734 seinen Abschluss findet. Im selben Jahr entsteht nach seinen Plänen der Mittelbau des königlichen Gestüts in Graditz. Für die seit 1721 im nahen Pretzsch lebende Gattin Augusts des Starken, Christiane Eberhardine, unternimmt er Umbauten an Kirche und Schloss sowie die Anlage eines Gartens. Zugleich ist er neben anderen Architekten an den Planungen von Schloss und Garten in Großsedlitz beteiligt. Auf der Festung Königstein baut er das Riesenfass (1723-25) und ein Brunnenhaus, gestaltet 1731 die Christiansburg zur Friedrichsburg um und ist mit Reparaturen an der Georgenburg beauftragt.

Seit 1723 ist er mit Raymond de Leplat mit der Einrichtung des Grünen Gewölbes im Dresdner Residenzschloss beschäftigt. 1727 begannen die Planungen zur 1731 abgeschlossenen Umgestaltung der Dresdner Elbbrücke und für den Umbau des Holländischen zum Japanischen Palais. An letzterem waren neben Pöppelmann alle weiteren führenden Hofarchitekten beteiligt, wobei deren Entwurfsanteile nur schwer zu scheiden sind. Während das Äußere und der Hof bis 1733/34 weitgehend fertiggestellt wurden (hier gehen wohl die Hofgalerien mit den Japanerhermen auf Pöppelmann zurück), blieben die zahlreichen Entwürfe zum Innenausbau wohl zum großen Teil unverwirklicht.

Ende der 1720er Jahre wird Pöppelmanns Stil mehr und mehr durch den französisch geprägten Barockklassizismus abgelöst, wie er durch die jüngere Architektengeneration am Oberbauamt vertreten wird. 1729 beginnt er mit der Rekapitulation seines Lebenswerks und publiziert ein Kupferstichwerk zum Dresdner Zwinger mit 22 Blatt nebst je einem Blatt zum Holländischen Palais und dem Riesenfass auf dem Königstein. Dennoch bleibt er weiterhin in die Verwaltungsabläufe des Oberbauamts eingebunden und ist 1730 als Dresden, alte Augustusbrücke
68jähriger an der Planung und Durchführung des Zeithainer Lustlagers beteiligt, eines europaweit zur Kenntnis genommenen, mit zahlreichen Festivitäten verbundenen Miltärmanövers. 1731 erarbeitet er die Rahmenplanung für die Bebauung der Königstraße in der Dresdner Neustadt, errichtet den Interimsbau der abgerissenen Dreikönigskirche und fertigt Pläne für deren Neubau an (Innenausbau durch George Bähr).
(AH, TK)

 

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Historische Abbildung: Dresden, Augustusbrücke, Fotografie 1904, Archiv Arstempano