Schloss Pillnitz von 1827 bis in die Gegenwart

Mit dem Tod Friedrich Augusts III./I. 1827 und der Einweihung der Schlosskapelle im Neuen Palais 1830 hatte das Schlossäußere seine noch heute bestehende Gestalt erhalten. Die Veränderungen der folgenden Jahrzehnte betrafen einerseits zahlreiche Veränderungen in den Innenräumen, die immer wieder den geänderten Bedürfnissen der Repräsentation und des Wohnkomforts angepasst wurden. Insbesondere das gegen Ende des 19. Jh. neuerwachende Interesse an Japan schlug sich nieder: Genannt werden sollen an dieser Stelle die Dekoration des Hauptsaals im Bergpalais (1899), das Kaffeezimmer König Georgs im Neuen Palais (1900) sowie das Gelbe Teezimmer im Wasserpalais (1902). Ebenfalls 1902 wurden im Bergpalais Bestandteile eines Rokokoinnenraums des 1899 abgerissenen Brühlschen Palais an der Dresdner Augustusstraße (heute Ständehaus) eingebaut.

Das Hauptaugenmerk lag seit dieser Zeit jedoch auf dem Garten. Der als eintönig empfundene Lustgarten wurde 1838 in biedermeierlichen Formen durch Hofgärtner Terscheck, 1865-67 dann in besserer Anpassung an das Gebaute nochmals nach Entwurf von Peter Joseph Lenné umgestaltet. Das Ergebnis hat seit mittlerweile 150 Jahren Bestand. Das Elbufer vom Wasserpalais bis zum Fähranleger ebenfalls im Lennéschen Sinne umgestaltet und damit gleichsam zu einem Teil des Schlossparks. Ab 1859 wurde im Holländischen Garten das gusseiserne Palmenhaus errichtet, zum damaligen Zeitpunkt das größte Gewächshaus Deutschlands. Dem bisherigen Holländischen Garten kam seit 1867 die Funktion eines Blumengartens zu. Schließlich wurde 1874-80 der noch immer rechtwinklig gegliederte Spielgarten in Anpassung an den Englischen Garten landschaftlich überformt und in einen Koniferenhain zur Zucht von etwa 200 Nadelgehölzen umgewandelt. Gleichzeitig wurden zu Seiten des noch unter August dem Starken errichteten Ringrenngebäudes Flügel angebaut, so dass das Gebäude als Orangerie genutzt werden konnte. Der Pillnitzer Schlosspark hatte damit seine bis heute bestehende Gestalt gefunden.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 kam Pillnitz in Staatsbesitz, das Gelände wurde museal bzw. zur Erholung genutzt. Seit 1942 dienten die Gebäude zudem als Auslagerungsort zum Schutz der Bestände der Dresdner Gemäldegalerie vor Luftangriffen. Im Sommer 1945 wurden hier die an zahlreichen Orten geborgenen Kunstgegenstände der Dresdner Sammlungen zusammengeführt, ehe sie nach Moskau abtransportiert wurden. Erst 1956 kehrte der Großteil nach Dresden zurück.

Pillnitz diente daraufhin - alle innenstädtischen Museen waren nach dem 13. Februar 1945 unbenutzbar - zunächst als Ausstellungsort der in Dresden verbliebenen Objekte der Gemäldegalerie und des Kunstgewerbemuseums. Mit der Wiederherstellung der Museumsbauten in der Stadt ist Pillnitz seit den 1960er Jahren Heimstatt des Kunstgewerbemuseums. Eine gute Tradition sind die seit 1949 veranstalteten sommerlichen Freiluftkonzerte geworden. Trotz aller Bemühungen um Erhalt und Wiederherstellung des Bestands verschlechterte sich jedoch auch in Pillnitz der Zustand der Gebäude und des Gartens bis zum Ende der DDR mehr und mehr.

Mit der deutschen Wiedervereinigung gelangten Schloss und Park Pillnitz in den Besitz des Freistaats Sachsen bzw. in die Verwaltung der Schlösserland Sachsen gGmbH, die seitdem mit großem finanziellen Einsatz um den Erhalt der Anlage sichern. Große Schäden entstanden während des Hochwassers 2002, als der Elbpegel beinahe das Niveau des Lustgartens erreichte. 2006 wurde im Neuen Palais das Schlossmuseum eröffnet, das die Geschichte der Anlage in den Mittelpunkt stellt, während Berg- und Wasserpalais noch immer durch das Kunstgewerbemuseum genutzt werden. Mit seinen exotisch anmutenden Gebäuden, dem prachtvollen weitläufigen Park und der einmaligen landschaftlichen Lage zwischen Elbe und Weinbergen zählt Pillnitz zu den beliebtesten und eigenwilligsten Sehenswürdigkeiten auch über Sachsen hinaus. (TK)