Geschichte Schloss Weesenstein von 1917 bis heute

Wie durch ein Wunder gelang es, Schloss Weesenstein im Wesentlichen unbeschadet durch die Zeitläufe des 20.Jahrhunderts zu bringen. Welche Gefahren dem Schloss im Müglitztal drohten, wird im Folgenden dargelegt.

Schloss Weesenstein zwischen 1917 und 1945

Für 1.900.000 Reichsmark verkaufte Johann Georg die Rittergüter Meusegast und Weesenstein mit dem Schloss und einem Großteil des Mobiliars im Jahre 1917 an den Industriellen Alwin Bauer. Bereits 1919 ließ dieser von Max Herfurth Umbaupläne anfertigen, die einen Großteil der Innenräume im Unterschloss bis zur Unkenntlichkeit verändert hätten. Wir wissen nicht, warum dieser Umbau nicht ausgeführt wurde, doch bedeutet sein Unterbleiben letztlich einen Glücksfall für das Schloss. Wie wenig sich bis heute an der Ausgestaltung der Räume seit den Tagen König Johanns geändert hat, wird auch durch eine Vielzahl historischer Postkarten vom Beginn des 20. Jh. dokumentiert. Beim Tod Alwin Bauers erbte seine Tochter Else Schöns den Besitz, ohne Änderungen oder Instandhaltungen am Schloss vorzunehmen.

Schloss Weesenstein, Foto vor 1989

Schloss Weesenstein vor 1989 von der Schlossmühle aus gesehen, Fotografie von A. Hummel

Um die Zukunft des Kunst- und Architekturdenkmales zu sichern, kaufte 1934 der Sächsische Heimatschutzverein das Schloss für 50.000 RM, die Ausstattung für 15.000 RM. Die Rittergüter verblieben mit dem Belvedere bei Else Schöns. Erst dies machte den Abriss des Pavillons im Zuge der Bodenreform nach 1951 möglich, da er zum "Junkerland" gehörte. Der Heimatschutzverein versuchte im Rahmen seiner Möglichkeiten den Bauunterhalt des Schlosses zu gewährleisten, ohne dass eine umfassende Sanierung möglich gewesen wäre. Hierzu fertigte Oskar Pusch mit seinen Architekten ein detailliertes Aufmass des Schlosses an. Ein weiteres Ergebnis seiner Arbeiten ist sein Burgmodell. Dies zeigt den Weesenstein in seiner vermuteten Baugestalt vor 1400. Vieles ist noch heute gültig, anderes durch die neuere Bauforschung überholt.

Während des Krieges wurden gegen eine Pacht nicht nur Kunstgüter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) auf Schloss Weesenstein in Sicherheit gebracht, es wurden auch etwa 200.000 Flaschen Wein einer Dresdner Speditionsfirma und Archivgut eingelagert. Zum Schutz des Kunstgutes wurden eine Trockenwasserleitung, Brandwände und feuerfeste Fußböden eingebaut. Zum Glück musste sich all dies nicht bewähren. Am 9. Mai 1945 wurde das Schloss kampflos an die Rote Armee übergeben. Während sich viele Soldaten vermutlich den Weinflaschen widmeten, inspizierte die Trophäenkommission die Kunstgüter. Die wertvolleren Stücke wurden in das Sammellager in Schloss Pillnitz gebracht und von dort in die Sowjetunion verbracht.

Schloss Weesenstein von 1945 bis heute

Das im Schloss verbliebene Kunstgut der Staatlichen Kunstsammlungen wurde bis in die 1950er Jahre hinein nach Dresden zurückgeführt. Zwischen 1947 und 1949 wurde der Heimatschutzverein von den neuen kommunistischen Machthabern als nicht mehr existent angesehen, das Vereinsvermögen, darunter auch Schloss Weesenstein, vom Staat eingezogen. Das Schloss wurde in Teilbereichen nun von Flüchtlingen, Umsiedlern und Ausgebombten aus Dresden bezogen. Glücklicherweise kam es hier zu keinen Plünderungen oder Zerstörungen, im Gegensatz zum Belvedere auf der Höhe, das zur Baustoffgewinnung für Neubauernhöfe abgebrochen wurde. Die Museumsräume wurden den Staatlichen Kunstsammlungen unterstellt und als Führungsmuseum wieder eröffnet.

Schloss Weesenstein von NW, vor 1989

Weesenstein, Nordwestansicht des Schlosses vor 1989, Fotografie A. Hummel

Im Jahre 1957 ging Schloss Weesenstein in kommunalen Besitz über, wurde aber vom Kreis Pirna / Kulturabteilung geleitet. Zwei Räume des Unterschlosses wurden dabei neu gestaltet; wertvolle Papiertapeten aus anderen Schlössern fanden hier ihre neue Heimat, darunter 1959 eine wertvolle französische Panoramatapete aus Schloss Niederruppersdorf von etwa 1830, die den Freiheitskampf der Griechen gegen das türkische Joch darstellt. Nach hoffnungsvollen Anfängen wurde der Bauunterhalt des Schlosses mit den Jahren jedoch kaum noch den Erfordernissen gerecht. In den 1980er Jahren konnte durch Sicherung der Fundamente wenigstens das Abrutschen von Teilen des Unterschlosses verhindert werden. Zur Wende war der Sanierungsstau von etwa 100 Jahren dem Schloss deutlich anzusehen und eine schwere Hypothek für den seit 1988 amtierenden Direktor Klaus Dieter Wintermann (1953-2001). Unter seiner Leitung sollte das Schloss in einer neuen Zeit eine neue Blüte erleben. 

Nordansicht Schloss Weesenstein, 2016

Schloss Weesenstein von Norden, Panoramausschnitt von A. Hummel 2016 

Nach der Neugründung des Freistaats Sachsen im Oktober 1990 bestand eine wichtige Aufgabe darin, das kulturelle Erbe gerade auch in Bezug auf die sächsische Identität zu erhalten. Auf dem Gebiet der Schlösser, Burgen und Gärten wurde zu diesem Zwecke eigenständige Staatsbetriebe unter dem Dach der Staatlichen Schlösserverwaltung gegründet. Damit war die Voraussetzung für die bis heute anhaltende grundlegende Sanierung von Schloss Weesenstein durch den Freistaat Sachsen gegeben. In diesem Rahmen wurden bis 2015 etwa 27 Millionen € investiert. Bei den Sanierungsarbeiten konnten viele neue Erkenntnisse zur Baugeschichte gewonnen und sichtbar gemacht werden. Das Team der Schlossverwaltung, bis 2001 unter der Leitung des viel zu früh verstorbenen Klaus Dieter Wintermann, bemühte sich von Anfang an, das alte Gemäuer wieder zu beleben. Neben den in dieser Zeit begründeten gastronomischen Angeboten wurde der Schauspieler Rolf Hoppe für "Lesungen am Kamin" gewonnen, die bis 2010 regelmäßig stattfanden. Bis heute hat sich auf Schloss Weesenstein ein reichhaltiges kulturelles Programm entwickelt, das durch Großveranstaltungen wie das Mittelalterfest zu Pfingsten oder die Schlossweihnacht, aber auch spezielle Programme für Kinder ergänzt werden. Sonderausstellungen zu interessanten Themen runden das Programm ab, und so lohnt zu jeder Jahreszeit ein Besuch im Schloss Weesenstein.

Hochwasser der Müglitz

Mit dem Hochwasser 2002 wurde die hoffnungsvolle Entwicklung für kurze Zeit unterbrochen. Am 12. August ergossen sich auf dem Erzgebirgskamm enorme Niederschlagsmengen. Sie erreichten in Zinnwald 352,7 mm, mehr als das 3,5fache der durchschnittlichen Monatsmenge für August . Am Unterlauf der Müglitz stürzten statt der üblichen 2 bis 4 m³ in der Spitze etwa 400 m³ Wasser pro Sekunde der Elbe entgegen - entsprechend der Wassermenge der Elbe am Pegel Dresden bei einem Pegelstand von über 2 m! (Normal sind ca. 1,4 m). Das enge Tal der Müglitz in Weesenstein wurde komplett überflutet. Die die Täler hinabschießenden Wassermassen rissen alles mit, was sich ihnen in den Weg stellte. Die vom Wasser mitgerissenen Gegenstände vergrößerten das Zerstörungswerk. Zehn Gebäude des Ortes Weesenstein wurden durch die Fluten zum Einsturz gebracht, 2 Menschen ertranken, andere mussten nach 13 Stunden in Lebensgefahr aus der Luft gerettet werden. Der Schlosspark war in großen Teilen unter mehr als 500 m³ Geröll begraben. Die Orte in den Tallagen waren bis zur Unkenntlichkeit verwüstet. Mit Hilfe aus ganz Deutschland konnten der Ort und der Schlosspark wiederhergestellt werden. Aus Gründen des Hochwasserschutzes konnten jedoch nicht alle Gebäude wiederaufgebaut werden. Als sich 2013 wieder dicke Wolken über dem Erzgebirge zusammenbrauten, war glücklicherweise das Rückhaltebecken in Lauenstein mit einem Fassungsvermögen von mehr als 5 Millionen m³ fertiggestellt und konnte eine erneute Katastrophe verhindern.

Das Hochwasser 2002 war jedoch kein singuläres Ereignis. Aufgrund des starken Gefälles der Wasserläufe von etwa 700 Höhenmetern vom Kamm des Erzgebirges bis zur Mündung in die Elbe, der engen Talquerschnitte und den durch Bergbau und Besiedlung zurückgedrängten Wald in den Kammregionen des Gebirges kam es immer wieder zu verheerenden Hochwasserkatastrophen. Im Sommer 1927 fanden an Gottleuba und Müglitz 160 Menschen den Tod. In Glashütte wurden Eisenbahnwaggons wie Spielzeug durcheinandergewirbelt. Bleibt zu hoffen, dass mit den jetzt vorhandenen Sicherungsmaßnahmen - neben Rückhaltebecken zählt auch ein Vorwarnsystem dazu - die Natur ausreichend gebändigt ist.Schlossgarten Weesenstein, Müglitz 2013

Die gebändigte Müglitz beim Starkregen am 3. Juni 2013. Dank des Rückhaltebeckens in Lauenstein blieb die Müglitz in ihrem Bett; Foto A. Hummel