Schloss Weesenstein im Besitz der Familie von Uckermann (1772-1830)

Nach dem Kauf des Schlosses Weesenstein durch die Familie von Uckermann erhielt die Anlage ihre heutige Form: Die unter der Familie Bünau begonnenen Baumaßnahmen wurden vollendet, mit der Neugestaltung des Schlossgartens und dem Bau von Wintergarten und Belvedere neue Akzente gesetzt.

Geschichte Weesensteins unter Johann Jakob von Uckermann d. Ä.

Das Schloss wurde 1772 von Johanna Christiana von Uckermann (1743-1827) erworben. Sie war die Ehefrau von Johann Jakob Uckermann d. Ä. (1716-1781), Kriegsrat und Genralpostmeister in der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Johanna Christiana entstammte einer vermögenden Nordhäuser Bürgerfamilie, die Vorfahren Johann Jakobs zählten zum pommerschen Adel. Im Siebenjährigen Krieg kam die Familie zu sehr viel Geld, das sie in den Kauf von Rittergütern investierte. 1763 erwarb man Gut und Berg Bendeleben in Thüringen und ließ dort ein kleines Schloss errichten. 1770 erfolgte die Erhebung in den Reichsadelsstand. Mit dem Erwerb der Rittergüter Weesenstein und Meusegast sowie des Schlosses Weesenstein fand der Aufstieg der Familie seinen sichtbaren Ausdruck. Zur Anpassung an die eigenen Ansprüche wurden nach etwa 15jähriger Pause die Bauarbeiten am Weesenstein wiederaufgenommen.

Ostansicht Schloss Weesenstein

Ostansicht des Schlosses Weesenstein, Fotografie A. Hummel 2016

Eine der ersten Baumaßnahmen dürfte die Sanierung und Umgestaltung des Oberschlosses gewesen sein. Vermutlich entstand erst jetzt der Billardsaal des Saalbaues. Ansonsten brach man die Geschosse in der Ebene des Mönchsbodens teilweise ab und schuf ein neues Mezzaningeschoss mit einheitlich hoher Dachtraufe in allen Bereichen des Oberschlosses als Lagerraum für Getreide. Weitere Lagerflächen entstanden im Bereich des ehemaligen Festsaals der Renaissance im Bereich des Hinteren Querhauses. Im Dachbereich darüber wurde ein Göpelwerk zum Aufziehen des Getreides eingerichtet. Dem nun sehr einheitlich wirkenden Dach mit seinen für das späte 18. Jh. typischen Fledermausgaupen fielen die Ziergiebel der Renaissance ebenso zum Opfer wie die oberen Geschosse des Runderkers am vorderen Querhaus. Im Bereich des Unterschlosses wurde ein Teil der Räume neu ausgestattet. Aus dieser Zeit stammt beispielsweise eine wertvolle chinesische Papiertapete mit Vogelmotiven, die wohl aus England bezogen wurde. Weiterhin wurden mehrere neue Öfen aufgestellt, die heute zum wertvollen Inventar des Schlosses zählen.

Schloss Weesenstein, Kleiner Garten

Weesenstein, Kleiner Garten, Wintergarten und Unterschloss; Fotografie A. Hummel 2016

Die nächste große Baumaßnahme bestand in der Umgestaltung des Schlossgartens. Hierbei wurde die Müglitz verlegt und der Garten in einen "Kleinen Garten" zwischen Mühlgraben und Müglitz und einen "Großen Garten" jenseits der Müglitz aufgeteilt. In der Achse des Kleinen Gartens wurde am Fuß des Unterschlosses bis 1775 wohl von einem Architekten aus dem Umfeld des Dresdner Oberbauamts der Wintergarten errichtet. Im Obergeschoss des wertvollen Bauwerks im Zopfstil befanden sich herrschaftliche Räume mit reichen Stuckverzierungen. Eine Brücke über die Müglitz stellte die Verbindung zum Großen Garten her (die heutige Brücke stammt allerdings erst aus der Mitte des 19. Jh./Link Panorama). Ob der Pavillon im Großen Garten noch aus der Bünauischen Zeit stammt oder erst jetzt errichtet wurde, ist bisher unbekannt. Weitere Baumaßnahmen bis zum Tode Uckermanns 1781 betrafen die Erneuerung der Schlossbrücke zwischen Unterschloss und Vorschloss (Link Panorama) sowie die Errichtung des barocken Belvederes auf der Anhöhe östlich des Schlosses am Weg zum Rittergut Meusegast (1951 abgerissen). Aus stilkritischen Gründen wurde dieser Bau dem Pirnaer Baumeister Johann Michael Kayser zugeschrieben, der auch die Kirche zu Lohmen errichtete. 

Weesenstein, Belvedere um 1780

Schloss Weesenstein, Belvedere, Zustand um 1780, Grafik: Arte4D 2013

Damit war die bauliche Entwicklung von Schloss Weesenstein in ihrem äußeren Erscheinungsbild im Wesentlichen zum Abschluss gekommen. Verdeutlicht wurde dies zusätzlich durch die einheitliche illusionistische Bemalung der Fassaden von Oberschloss, Unterschloss und Brauhof mit Lisenen, Bossen und Spiegeln in Grau- bzw. erdigen Grüntönen. Der Wintergarten hingegen setzt sich mit seinem monochromen Anstrich in Strohgelb klar ab. Dem heranbrechenden sentimentalen Zeitalter entsprach schließlich die einsame Lage des Schlosses im Tal, umgeben von steilen bewaldeten Hängen. Sie macht den besonderen Reiz des Schlossgartens aus.

Dieses ehrgeizige Bauprogramm der Uckermanns hatte allerdings auch eine weniger schöne Seite. Die den Untertanen aufgezwungenen Frondienste erreichten ein unerträgliches Maß, so dass es bereits 1775 zum offenen Aufruhr der Bauern kam. Möglicherweise wurden damals im 1. OG des hinteren Querhauses die für 1838 dokumentierten drei Gefängniszellen eingerichtet. Anlässlich des Todes Johann Jakob von Uckermanns des Älteren im fernen Hannover ging unter den Untertanen das Gerücht, ihn habe der Teufel geholt...

 

Geschichte Weesensteins unter Johann Jakob v. Uckermann d.J. (1781-1830)

Nach dem Tode Johann Jakob von Uckermanns d. Ä. zog sich seine Witwe alsbald nach Bendeleben zurück. In Weesenstein verblieb der gemeinsame Sohn Johann Jakob von Uckermann der Jüngere (1763-1848). Er war beim Tod des Vaters erst 18 Jahre alt und in sächsische Militärdienste gegangen. Intelligent und vielfältig wissenschaftlich interessiert, war er vom Charakter leutselig und ohne Standesdünkel anderen Menschen zugewandt und damit das völlige Gegenteil seiner Eltern. Bei einem Aufenthalt in Dresden lernte er im Hotel zum Goldenen Engel auf der Wilsdruffer Straße das Stubenmädchen Elenore Hoffmann kennen, die er im Jahre 1800 heiratete. Aus der Ehe gingen 12 Kinder hervor. Die nicht standesgemäße Hochzeit wurde von der Mutter nicht akzeptiert: Sie hielt das junge Paar finanziell so knapp, wie ihr es nur möglich war. Dennoch verließ Johann Jakob den Militärdienst und widmete sich fortan seiner Familie und seinen wissenschaftlichen Studien. Die Aussöhnung mit der Mutter erfolgte erst kurz vor deren Tod 1827.

Weesenstein, Chinesischer Salon

Schloss Weesenstein, Chinesischer Salon im Unterschloss; Fotografie von A. Hummel 2009; mit freundlicher Genehmigung von Schloss Weesenstein

1812/13 kam es in Weesenstein während der Napoleonischen Kriege zu Truppendurchzügen und Einquartierungen, was nach 1813 die Renovierung einiger Räume des Unterschlosses erforderlich machte. Dabei entstand der Chinesische Salon mit seiner französischen Panoramatapete von 1815. Weiterhin entstammen eine Vielzahl der Öfen des Unterschlosses dem frühen 19. Jahrhundert. Gleichzeitig entwickelte sich Weesenstein zu einem bedeutenden Treffpunkt einer illustren Gesellschaft aus Adel, Künstlern und Gelehrten. Neben der Person des Hausherrn wird die Existenz einer der größten privaten Bibliotheken des Landes mit etwa 9000 Bänden nicht unwesentlich hierzu beigetragen haben. Carl Heinrich Aster, ein bedeutender Geograph der Zeit aus Dresden, war häufig zu Gast und schuf das noch heute erhaltene topografisch exakte Gipsmodell des Schlosses und seiner Umgebung. Von entscheidender Bedeutung für die Zukunft des Schlosses waren jedoch die Aufenthalte des Prinzen Anton von Sachsen (ab 1827 sächsischer König), der während der sommerlichen Hoflager in Pillnitz gerne das intimere Schloss im Müglitztal aufsuchte. Weesenstein war sein Feenschloss abseits der Hofetikette. Johann Jakob d. J. widerstand den Kaufangeboten Antons lange Zeit, ehe er ihm 1830 - Anton war 1827 seinem Bruder Friedrich August I. als König von Sachsen nachgefolgt - endlich die Rittergüter Meusegast und Weesenstein mit dem Schloss und einem Großteil der Ausstattung für 325.000 Taler überließ. Die Uckermanns zogen sich nach Bendeleben zurück, nahmen dabei allerdings ihre Bibliothek mit sich: Diese befindet sich heute größtenteils in der Universitätsbibiothek in Leipzig.

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